Newsletter-Beiträge

Newsletter-Beiträge (98)

Michael Karjalainen-Dräger fasst einen Beitrag von Mag. Gerhard Kohlmaier von der Steuerinitiative ím ÖGB zusammen, in dem dieser die Ergebnisse der PräsidentInnen-Wahl in den USA am 8.11.2016 analysiert.

Aus der Sicht Kohlmaiers erlebt die amerikanische Gesellschaft seit der Präsidentschaft Ronald Reagans (1981-1989) einen stetigen sozialen Abstieg erlebt. Eines seiner neoliberalen Dogmen, die Trickle-Down-Theorie besagt, dass sich die Akkumulation von Kapital auch auf die untersten Gesellschaftsschichten positiv auswirkt. Tatsächlich aber werden dadurch die Vermögenden immer vermögender. Das Vermögen der Reichen hat in den Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise um 50 % zugenommen, 83% der gesamten Vermögenswerte befinden sind mittlerweile in der Hand von 16 % der Menschen. Dagegen steht laut Weltbank eine geschätzte Milliarde von Menschen, die nicht mehr als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben.

Mitgeholfen hat dabei laut Kohlmaier die Politik Reagans, der die Senkung der Steuersätze für die Wirtschaft und für die höchsten Einkommen durchgesetzt hat. Zudem setzte er zahlreichen anderen Maßnahmen, um das Kapital zu unterstützen, so etwa die Legalisierung „der Steuerhinterziehung, die Transformation von Spekulationsrisiken des Finanzkapitals auf die Völker der Staaten bis hin zum Sozialabbau und dem schlanken Staat, in dem die Pfründe der Gesellschaft Privaten anvertraut werden, damit sie davon profitieren können.“ An die oberste Stelle rückte das Dogma von der Freiheit des Marktes. „Marktgesetze werden zu Naturgesetzen hochstilisiert, denen alle anderen Bedürfnisse der Menschen unterzuordnen sind. Die Selbstbestimmung und Freiheit des Menschen findet ihre Grenze in der Funktion, welche er im Rahmen der Warengesellschaft zu erfüllen hat“, so Kohlmaier.

Auf diese Weise wurde der Tod des Individuums eingeläutet – und das nicht nur in den USA. Auch die anderen westlichen Gesellschaften verfallen nach und nach in Agonie, fühlen sie sich doch – trotz oder gerade durch die Systemkritik – einem überdimensional gewachsenen Gegner ausgeliefert. Das führt dazu, so Gerhard Kohlmaier, dass immer mehr Menschen selbst auf ihr Wahlrecht verzichten (in den USA haben bei der aktuellen PräsidentInnenwahl mehr als 42 % nicht mehr gewählt, bei den EU-Wahlen verzichten in Österreich seit 2004 mehr als 50 % auf ihr Stimmrecht).

Andererseits versucht sich eine wachsende Zahl von Menschen – wie ein Ertrinkender – an die nächstbeste Hand – egal von wem sie gereicht wird – zu klammern. „Das ist die Stunde der Populisten und der rechtslastigen Parteien, die dem in Nöten geratenen Bürger zu Hilfe eilen. Ob in Frankreich, in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich und in zahlreichen anderen europäischen Ländern: überall sind rechte Parteien im Vormarsch. Sie bieten dem verzweifelten Bürger vor allem zweierlei: eine einfache Erklärung für seine Misere bzw. einen Schuldigen und eine einfach scheinende Lösung“, betont Kohlmaier. Dabei werden die Menschen bewusst in die Irre geführt, denn nicht die Flüchtlinge sind schuld und Nationalismus sowie das Errichten von Mauern die Lösung, sondern Verursacher ist das neoliberale Politik- und Wirtschaftssystem. Im Gegensatz zu Trump „haben diese rechtsextremen Protagonisten (in Europa, Anm.) jedoch noch eine Lösung für ihren Herrschaftsanspruch parat, dessen Umsetzung anstelle des Staates letztlich ein offen autoritäres System setzt, welches durch eine ethnisch definierte Homogenität die Bürger in einer Scheinsicherheit wiegt, welches sie zu einer Gefolgschaft verführt, die - wie die Geschichte gelehrt hat - schließlich in Gewalt endet“, analysiert Kohlmaier.

Der Wahlsieg Trumps wird einer Veränderung des Wirtschaftssystems zuwider laufen. Es beginnt eine Art Teufelskreis, in der sich die Menschen immer weiter in die Ausweglosigkeit hineinmanövriert erleben und die oben beschriebenen Wege fortsetzen. Dabei hätte das Ergebnis der PräsidentInnenwahlen in den USA durchaus das Potential sich endlich einmal umfassend einer profunden Systemkritik zu widmen.

Warum die so genannte Linke den rechten Populisten kaum etwas entgegen zu setzen haben, charakterisiert Gerhard Kohlmaier in seinen Ausführungen so:

„Diese Parteien haben den ideologischen Kampf bereits zu dem Zeitpunkt verloren, als die Arbeitnehmer sich den Zwängen des Kapitalismus freiwillig unterwarfen, um so auch einen kleinen Anteil an den Gewinnen zu erhaschen…Als Folge davon konnte die Linke, im Gegensatz zu den rechtspopulistisch agierenden Parteien, den Bürgern keine homogene Weltvorstellung mehr anbieten…in unseren Schulen wird Unterricht im Wesentlichen als Bestätigung des Systems betrieben, die Schülerinnen und Schüler auf Rollenbilder vorbereitet, welche darauf abzielen, in Fällen von Agonie und Ohnmacht das individuelle Überleben bestmöglich zu sichern. An den Universitäten wird dieser Verbildungskurs fortgesetzt , nicht zuletzt auch deshalb, weil für die Lehrenden die eigenen Karrierechancen vielfach an diese systemische Verifikation gebunden sind.“

 

Hier geht’s zum gesamten Text des Beitrages:

http://www.steuerini.at/

Montag, 14 November 2016 11:00

Stimme und Rhythmus

geschrieben von

Ruth Hannelore Siman schildert die Wichtigkeit der Stimme für unseren Alltag sowie die Notwendigkeit der Stimmbildung für unseren persönlichen Erfolg.

 

Im Konzept „MUSIK IN/MIT DIR“ wird zwar viel und oft getrommelt aber das eigentlich Tragende ist die Stimme. Schon beim Erlernen von Rhythmus beginnen wir zu zählen. Dies ist aber nur eine verkümmerte Vorgangsweise unserer westlichen Kultur. In vielen anderen Kulturen wird rhythmische Sprache mit eigenen Silben und Klängen verwendet. In Indien entwickelte sich auf diese Art sogar eine eigene Musikform.

Was würde nicht alles fehlen oder nicht erklingen in einem Leben ohne Stimme: der erste Schrei, die Stimme der Mutter, unser Gesang, das Liebesgeflüster, die Rede der Politiker, TV und Radio, Schule, Unterhaltung und Diskussion…., der Todesschrei.

Eine stumme Welt hätte ernsthafte Auswirkungen auf unsere Entwicklung. Die Stimme ist also ein wichtiger Faktor unseres Lebens. Sie beherrscht unsere Entwicklung, vom Embryo bis zum letzten Wort. Sie ist das Mittel unseres persönlichen Ausdrucks in Verbindung mit der Körpersprache. Sie macht es uns möglich, Lebensgefühle auszudrücken und hilft uns unsere „Stimmungen“ zu vermitteln. Sprechen wir, so übermittelt unsere Stimme Worte. Diese Information ebenso wie Sprachmelodie, Klang und Farbe der Stimme (die uns charakterisieren), Rhythmus des Redens und Dynamik ergeben ein unverwechselbares Tonbild als Spiegel unseres Selbst.

Unsere Stimme macht möglich:
Brummen, Summen, Singen, Lauten, Tönen, Schreien, Reden, Sagen, flüstern, Lispeln, Weinen, Jammern, Klagen, Rufen, Heilen, Imitieren, Kommunikation…

Jeder braucht seine Stimme, um gehört zu werden. Es ist ein steter Wechsel von Aktivität und Passivität.

Die Stimme wird durch den Mundraum, die Formung der Lippen und den ganzen Körper (besonders die Knochen) als Resonanzraum verstärkt und definiert.

Stimmbildung ist gleich Persönlichkeitsbildung. Durch die Beschäftigung mit seiner Stimme und deren Entwicklung wird auch die Persönlichkeit beeinflusst und geprägt.

In der frühen Entwicklung des Kleinkindes ist die Bindung an die Mutter das wichtigste und diese wird besonders gestärkt durch den Klang ihrer Stimme (Muttersprache). Im Mutterleib klingt die Stimme der Mutter wie eine Rassel. Die Rassel wiederum ist ein wichtiges Instrument für Babys/Kleinkinder in Verbindung mit der Trommel, die den Herzschlag wiedergibt.


Kinder wollen Stimme spüren. Sie greifen demjenigen, der für sie singt, an den Hals. Wo sollten sie die Stimme besser spüren als an ihrem Ursprung, dem Kehlkopf?

In der Musik hilft die Stimme den Rhythmus zu lehren und ihn zu verstärken. Die rhythmische Sprache erleichtert die Aufnahme von Rhythmus ohne Instrument. Mit der Stimme wird die Verbindung geschaffen zwischen der rhythmisch musikalisch inneren Vorstellung und dem Tun (=Spielen eines Instruments).

Montag, 14 November 2016 10:23

23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen

geschrieben von

Nora Loschan hat das gleichnamige Buch des in Seoul geborenen und aufgewachsenen Ha-Joon Chang rezensiert und seine wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

           

Erstaunlich! Der Autor, der nach seinem in Cambridge, Großbritannien erfolgreich absolvierten Studium, nun am selben Ort Volkswirtschaft und Entwicklung lehrt und forscht, hat das Talent uns das Wesen des Kapitalismus transparent zu machen.

Die 23 Lügen werden in je einem Kapitel vorgestellt und anhand von Beispielen aus der ganzen Welt durchleuchtet. Jedes Kapitel wird mit in unseren Medien oft wiederholten Gemeinplätzen wie "Internet technology hat die Welt revolutioniert" oder "Afrika ist prädestiniert arm zu bleiben" eingeleitet. Chang demontiert diese falsch gewichteten Annahmen anhand von konkreten Beispielen und oft mit einem humorvollen Seitenhieb.

Er meint, dass die Waschmaschine und die vielen anderen nützlichen Maschinen unsere Welt viel stärker als das Internet geprägt haben, weil dadurch die Arbeitswelt radikal geändert wurde. Weiters sagt er, dass es in Afrika in den 60er bis zu den 80er Jahren ein Wirtschaftswachstum gegeben hat, dass leider durch aufgezwungene free-trade-Vereinbarungen des WTO und IWF abgewürgt wurde.

Die größte Lüge sei der Begriff „Freier Markt“. Chang sagt uns, dass es diesen nicht gibt. Denn: Alle Märkte haben Regeln und Gesetze. In den tausend Seiten des CETA-Abkommens sind diese Regeln zu finden. Die Begriffe "freie Märkte" und "liberale Marktwirtschaft" sind Erfindungen der reichen Länder. Sie zwingen arme Länder dazu, ihre Bedingungen zu akzeptieren, damit sie selbst noch mehr profitieren.

Chang zeigt die historische Entwicklung der industrialisierten Länder. Once upon a time war Großbritannien führend auf der Welt. Durch seine Industrie wurde es zur "Werkstätte der Welt". Heute ist wenig von diesen Industrien geblieben. Die Firma Nissan ist zwar in Sunderland zu einem großen Arbeitgeber geworden, aber in Krisenzeiten wird sie ihre Interessen in Japan konzentrieren.

Stahlwerke in Wales sind im Besitz von fremden Investoren, die in Krisenzeiten das Handtuch werfen. Für viele ehemalige Industrieländer war es profitabler billige Waren aus Billiglohnländern wie China zu importieren. Dadurch sind die eigenen Industrien zu Grunde gegangen.

Globalisierung bedeutet weltweiten Handel und beinhaltet auch die Möglichkeit inländische Firmen zu übernehmen. Oft ist das Ergebnis einer derartigen Übernahme durchaus erfolgreich. Meist sind die neuen Eigentümer aber nur an einem raschen Gewinn interessiert und bei der geringsten Krise werden diese Unternehmen zerlegt und verkauft, was oftmals frustrierte und arbeitslose ArbeitnehmerInnen zur Folge hat.

Wir haben in Österreich das Beispiel von Heini Staudinger, der mit der ungewollten Hilfe des FMA (Finanzmarktaufsicht) seine Ideen besser finanzieren konnte. Ein Crowdfunding-Gesetz ist das Ergebnis. Er und seine Firma GEA beweisen, dass man ohne Globalisierung sehr erfolgreich wirtschaften kann.

Ich kann dieses Buch nur loben und empfehlen, weil für mich die ökonomischen Zusammenhänge unseres Globus klarer geworden sind und bestimmte falsche Glaubenssätze entlarvt wurden.

Ha-Joon Chang, 23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen, Goldmann 2012, (ISBN-10: 3442157285, ISBN-13: 978-3442157280)

Montag, 14 November 2016 10:01

Eine Welt ist nicht genug

geschrieben von

Maria Kvarda stellt den „Living Planet Report 2016“ des WWF vor und gibt daraus resultierende konkrete Anleitungen für unser Handeln.

Alle zwei Jahre misst der WWF mit seinem Living Planer Report die Veränderungen der weltweiten Biodiversität und des menschlichen Konsums.

Um vergleichbare Daten zu bekommen, hat der WWF den „Living Planet Index“ entwickelt. Dabei werden weltweit die Populationsdaten verschiedenster Wirbeltierarten gesammelt (Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibie und Reptilien), und dann die Veränderung dieser Bestände im Lauf der Zeit dokumentiert.

Die Erkenntnis daraus: Ökosysteme schwinden, Tiere und Pflanzen sterben aus. Die Menschheit verbraucht mehr Ressourcen, als die Erde liefern kann. Wenn wir so weiterleben wie bisher, wären im Jahr 2030 zwei Erden nötig, damit wir unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie decken können.

Unsere weltweiten Ressourcen haben wir heuer am 8. August aufgebraucht (in Österreich schon früher!): dieses Datum wird als Welterschöpfungstag bezeichnet.

Verantwortlich für diese negativen Entwicklungen ist der zu große ökologische Fußabdruck. Gerechterweise stünden weltweit 1,7 Hektar Fläche pro Mensch zur Verfügung, in Österreich verbrauchen wir 6 Hektar pro Person! Damit stehen wir auf der Negativliste am 14. Platz. (Noch mehr Fläche verbrauchen die Menschen in Australien, USA, Kanada, Belgien, Schweden, Schweiz, Südkorea und Russland). Würden alle ErdenbürgerInnen auf ähnlich großem Fuß leben wie wir in Österreich, dann wären sogar über 3,3 Planeten nötig.

Wofür verbrauchen Frau Österreicherin und Herr Österreicher diese Ressourcen?

1/3 für Ernährung, davon 80% für Fleisch und tierische Produkte

1/4 für Wohnen, davon 90% für Heizen und Strom

1/5 für Mobilität, davon 90% für Auto und Fliegen

1/6 für alle anderen Konsumgüter

„Hauptursache für den sehr großen Fußabdruck in Österreich sind die hohen direkten und indirekten CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger, gefolgt vom Bedarf an Ackerland und an Wald“, sagte WWF Österreich-Geschäftsführerin Andrea Johanides. Ihre Forderungen: Eine klare Zielvorgabe der Politik für einen Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl bis 2050, eine Dekarbonisierung der Wirtschaft und eine Umstellung der KonsumentInnen auf wenig Fleischkonsum. "Wir haben keine Zeit zu warten, sondern sollten lieber heute als morgen damit beginnen", so Johanides.

Was nun können wir konkret machen?

Das Ziel ist es, die jeder und jedem zustehenden Ressourcen nicht schon mitten im Jahr, sondern erst zum Jahresende oder im Idealfall sogar nicht zur Gänze aufgebraucht zu haben.

Helfen kann dabei, den eignen ökologischen Fußabdruck zu messen. Das geht via Internet unter www.mein-fussabdruck.at oder per App unter http://overshoot.footprint.at

Wenn man die App mit den Daten zum eigenen Reise- Konsum- und Ernährungsverhalten füttert, wird der persönliche „Welterschöpfungstag“ (= Overshootday) berechnet.

Die Ergebnisse könnt ihr gerne mit zum nächsten Tauschkreistreffen bringen!

Kurzfassung der WWF-Studie in deutscher Sprache:

http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-LivingPlanetReport-2016-Kurzfassung.pdf

P1050537Unsere neue Homepage ist für viele eine tolle Visitenkarte und ein Blickfang zugleich. Daher wollen wir uns noch besser professionalisieren, um für neue InteressentInnen einladender und freundlicher zu sein. Für bestehende Mitglieder (m/w) soll sie noch übersichtlicher und leichter in der Handhabung werden. Aus diesem Grund veranstaltet der AK-Infrastruktur und UAK-Akademie WEBINARE (Kurzseminare über das Internet) für RedakteurInnen und TrainerInnen, die hilfreich sein mögen, die genannten Ziele zu erreichen.

Folgende Termine sind vorgesehen:

07.11.2016 10.00 Uhr für RedakteurInnen

07.11.2016 19.00 Uhr für RedakteurInnen

sowie

09.11.2016 10.00 Uhr für TrainerInnen

09.11.2016 19.00 Uhr für TrainerInnen

 

Voraussetzung: du bist bereits in einer solchen Funktion registriert und freigeschaltet. Die Schulung wird via Skype stattfinden, dh. auf deinem Computer lauft schon das Programm - ohne wenn und aber (Camera und Mikrophone inkl.).

Inhalt: Bei dieser Schulung wollen wir alles von der Anmeldung bis hin zu Text und Bilder (inkl. Urheberrechte) auf die HP stellen erlernen/erproben.

Zielgruppe: alle Neuen in der Funktion bzw. für Wiederholer.

Anmeldung: über die Akademie

 

Bei Fragen bitte direkt bei mir melden: Arnold Ehrenfeld + 43 664 50 50 339 bzw. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Sonntag, 16 Oktober 2016 13:34

Eine Welt ohne Bargeld und ihre Folgen

geschrieben von

Tobias Plettenbacher von „Wir gemeinsam“, einer Plattform für den Aufbau nachhaltiger und sozialer Wirtschaftskreisläufe durch soziales Tauschen, tourt mit Vorträgen zu Geld und Wirtschaft und ihren Alternativen durch Österreich. Michael Karjalainen-Dräger fasst hier seine Gedanken zum Bargeldverbot zusammen.

Die von immer mehr Banken, Ökonomen und Politikern angedachte Abschaffung des Bargeldes wird laut Plettenbacher mit falschen Motiven in die Öffentlichkeit getragen. Während Befürworter von einer notwendigen Maßnahme zur Terrorbekämpfung, zur Verhinderung von Geldwäsche, zur Verringerung von Kriminalität und zur Verhinderung von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung geredet wird, seien die tatsächlichen Hintergründe völlig andere. Zusätzlich würden noch so unsinnige Argumenten wie „Bargeld ist unpraktisch und teuer“, „Bargeld ist unhygienisch“ und „Bargeld spielt keine große Rolle mehr“ vorgebracht.

Tatsächlich aber, meint Tobias Plettebacher, ginge es zum einen um die Verhinderung von Bank Runs und Bankkonkursen. Da die Banken nur ein paar Prozent ihrer Einlagen in bar bzw. als Eigenkapital haben, würde jede Geschäftsbank bankrott gehen, wenn nur ein paar Prozent der KundInnen Ihr Geld abheben würden. Banken dürfen nämlich jeden Geldschein bis zu 100-mal verleihen. Das nennt man Buchgeldschöpfung (siehe auch den Beitrag von Arnold Ehrenfeld in diesem Newsletter). Zum anderen werde eifrig am „Aufbau eines Überwachungsstaates orwell’schen Ausmaßes“ gearbeitet. Wenn nur noch digital bezahlt würde, hinterlässt jeder seine Spuren und auf diese Weise wird jegliche „Bewegung“ erfasst. Auch eine unheimliche Steuerungs- und Kontrollmöglichkeit ergäbe sich damit. „Man bräuchte keine Gefängnisse, um Kritiker mundtot zu machen. Man könnte unbequeme BürgerInnen einfach aus der Gesellschaft ausschließen, indem man ihr Konto sperrt. Man könnte per Knopfdruck Alkoholikern das Bezahlen von Alkohol verunmöglichen, Sozialhilfeempfängern vorgeben, was sie kaufen dürfen, Ressourcen und Lebensmittel rationieren, Enteignungen im großen Stil durchführen und vieles mehr“, so Plettenbacher. Auch die Einführung von negativen Zinsen sei vorstellbar, damit der Konsum angekurbelt wird, weil alles Geld, das am Konto bleibt, dann Geld kostet.

Plettenbacher skizziert dann das ihm wahrscheinlichste Szenario: Da eine sofortige Abschaffung des Bargelds derzeit nicht durchführbar ist, werde man die Menschen langsam an den Gedanken gewöhnen, das es keinen anderen Ausweg gäbe. Beim bald bevorstehenden nächsten Börsen-Crash werden die Banken nicht mehr von den Staaten gerettet werden. Daher werde man den KundInnen einen Deal anbieten: Rettung ihrer Sparguthaben gegen Abschaffung des Bargeldes. Aus Angst vor dem Bankrott werden die Menschen diese Maßnahme sogar bejubeln, meint Plettenbacher. Letztlich würde dann staatlicherseits alles Bargeld aus dem Verkehr gezogen und elektronisches Buchgeld zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt.

Die Folgen davon wären ein Aufschwung von Kryptowährungen (wie dem Bitcoin) und Alternativwährungen (wie Tauschkreise und Regiogelder), die Wiederkehr des direkten Warenaustausches und eine Preisexplosion bei Wertanlagen wie Edelmetalle und Immobilien.

Noch ist nicht aller Tage Abend, meint Experte Plettenbacher. Ein erster wichtiger Schritt ist das Informieren und Reformieren. „Fordern Sie radikale Reformen wieVollgeldreform bzw. Geldschöpfung in öffentliche Hand, also die Übertragung des Rechts der Buchgeldschöpfung von Privatbanken zum Staat.“ Ein weiterer Schritt ist das Nutzen und Initiieren von Alternativwährungen, wie sie Tauschkreise, Zeitbanken und Regionalwährungen bieten. Gerald Mann, Professor für Volkswirtschaftslehre in München ergänzt: „Wichtig ist auch der Aufbau von Sozialkapital, so dass man in Krisenzeiten auf ein Netzwerk qua Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft bauen kann.“

Plettenbacher betont abschließend, dass es nicht darum ginge, „am Bargeld oder an unserem überholten Finanzsystem festzuhalten, sondern dessen Prinzipien und Spielregeln in Frage zu stellen und neu festzulegen. Geld braucht nur Information zu sein, um den Ausgleich von Geben und Nehmen herzustellen, die Zugriffsrechte auf Ressourcen und Produktion gerecht zu regeln.“

In den aktuellen und den noch kommenden Krisen liegt also neben den beschriebenen Gefahren auch die Chance für ein zukunftsträchtiges neues Finanz- und Geldsystem.

Bauen wir daran mit!

 

Links zu Initiativen:

www.monetative.de

www.vollgeld-initiative.ch

www.ecogood.org

www.mitgruenden.at

 
Eine Terminübersicht über die Vorträge von Tobias Plettenbacher finden Sie hier!
 
Sonntag, 16 Oktober 2016 10:03

Musik in dir - Musik mit dir

geschrieben von

Ruth Hannelore Siman beschreibt, wie es mit Hilfe von Rhythmus und Musik gelingt, das eigene Selbst zu entdecken und mit der Welt zu kommunizieren.

Das musikpädagogische Konzept „MUSIK IN/MIT DIR gibt jedem die Möglichkeit seinen individuellen Zugang zur Musik zu finden. Es fordert auf, einerseits Musik in sich zu entdecken, zu hören, zu spüren und wahrzunehmen, andererseits die kommunikative und soziale Seite des Miteinander-Musizieren zu erfahren.

Der einfachste, fast jedem mögliche Zugang zur Musik ist das rhythmische Spiel mit Trommeln und Perkussionsinstrumenten sowie mit dem eigenen Körper durch Sprache, Klatschen und Gehen. Dabei entstehen schnell Spaß und Freude und führen über diesen Rhythmus zur Musik.

NL 1016 ZIMT 2Die Wege zur Musik sind grundsätzlich verschieden, führen aber zu denselben Wurzeln von Hören und Rhythmus, Raum und Zeit, Körper und Seele, Wahrnehmung und Ausdruck. Die grundlegende Beschäftigung mit Musik ist nonverbal, es geht um hören und Musik machen.

Ob Laie oder Profi – alle Menschen sind musikalisch und daher fähig Musik zu kreieren und durch klangliches und rhythmisches Gestalten mit Naturinstrumenten, Trommeln, Gongs, Perkussionsinstrumenten und Melodieinstrumenten individuelle Klangräume entstehen zu lassen.

Der Anfang ist das Zulassen eines natürlichen Kommunizierens mit Instrumenten ohne Sprache und Intellekt (Denken).

INAKTIV SEIN (hören und berieseln lassen) ist für viele der erste Schritt. Dabei geht es darum, sich einzulassen, dabei zu sein, zuzuhören und zu erfahren, was Puls, Tempo, Rhythmus und Klang sind.

AKTIV SEIN (spielen, musizieren, improvisieren) bedeutet ohne Druck des „Können-Müssens“, im Erfahren des Chaos und dem Erlernen von Rhythmus musikalisch sein SELBST zu finden. Auf dieser Basis gibt es kein richtig oder falsch, sondern ein Sich-Fallenlassen in die kosmische Ordnung der Schwingungen.

Im gemeinsamen Spiel erleben Nichtmusiker und Musiker den Rhythmus mit all seinen Qualitäten und Wirkungen. Er löst Prozesse aus wie z.B. das Erleben von Chaos und Ordnung, generell das Erleben von Polaritäten, ein Zentrieren auf sich selbst und Kommunikation mit dem Nächsten. NL 1016 ZIMT 4

Abschließend noch die Worte eines „Neuperkussionisten", in denen er seine Erfahrungen zusammenfasst:
„Dieses Seminar war eine echte Herausforderung und Erfüllung der ganz besonderen Art. Früher dachte ich, dass Percussion das ‚Draufhauen’ auf eine Trommel ist und jetzt geht es mir, wie den Menschen damals, denen man erklärte das die Erde keine Scheibe ist, sondern eine Kugel mitten im Weltall.
Es ist für mich die percussive Welt aufgegangen und Ich LIEBE sie.
Vielen Dank und auf ein baldiges Wiedertrommeln.“

Mehr bei Ruth Hannelore Siman, www.siman.at

Bilder: © Ruth Hannelore Siman

Sonntag, 16 Oktober 2016 09:42

Ist Geld böse?

geschrieben von

Eine Antwort auf diese Frage und einen Einblick in die Welt der Geldschöpfung gibt uns Arnold Ehrenfeld.

Ob Muscheln, Steine, Salz, Banknoten oder Plastikgeld – sie alle zeigen uns „nur“ einen Wert an, um den Tauschhandel zu erleichtern.
Ein Zahlungsmittel ist ein Hilfsmittel und sollte daher selbst keinen Wert darstellen!
Wenn dies trotzdem passiert, so kommt es zur Entgleisung des Wirtschaftssystems, wobei die menschliche Arbeit immer weniger wert sein wird.

Was viele nicht wissen: als Geld gilt nur physisch vorhandenes Bargeld dh.: Münzen und Banknoten. Buchungsgeld, auch Giralgeld genannt, gilt nicht als Geld im Sinne der obigen Formulierung. Vom gesamten Volumen sind max. 10% physisch vorhanden. 90% existieren somit „nur“ als Zahl im Computer und sind daher nicht jederzeit abhebbar - ich erinnere an die Griechenland- oder Zypernkrise.

Wann entstand das erste Geld?

Die Entwicklung zu einem modernen Geldwesen, wie wir es heute kennen, begann vor mehreren tausend Jahren mit dem einfachen Tauschhandel. Dieser etablierte sich mit der Sesshaftwerdung des Menschen, ca. 6000-4000 v. Christus. Zumeist fanden die Tauschgeschäfte auf bestimmten Plätzen (Märkten) statt, die zu festgelegten Zeiten aufgesucht wurden. Probleme entstanden, wenn Tauschwillige einander keine entsprechenden Tauschgüter anbieten konnten. In der Folge übernahmen daher geeignete Güter von hohem Wert, langer Haltbarkeit und guter Lagerfähigkeit, an denen viele Menschen interessiert waren, die Funktion von Geld.

Wer produziert das Geld? Wer bestimmt die Geldmenge?

Sowohl die Produktion, wie auch die Geldmenge bestimmen offiziell die Nationalbanken - in Österreich ist das die OeNB bzw. auf europäischer Ebene die EZB.

Bei Giralgeld ist das jedoch anders. Da bestimmt der Markt selbst die Geldmenge durch die Kreditvergabe. Jede Bank hat auf diese Art und Weise die Möglichkeit Geld zu erschaffen, in dem sie Kredite vergibt oder eben nicht.


In den USA wird das Geld von einer Privatbank produziert und auch die Geldmenge bestimmt – die FED (Federal Reserve Bank). Da der Amerikanische Dollar die Welt-Leitwährung ist, ist dieser Umstand höchst bedenklich. Die wichtigsten Aktien-Besitzer der FED sind oder waren:
#Rothschild Banken aus London und Paris, #Lazard Brothers Bank aus Paris, #Israel Moses Seif Bank aus Italien, #Warburg Bank aus Amsterdam und Hamburg, #Lehmann Bank aus New York, #Khun Loeb Bank aus New York, #Rockefellers Chase Manhattan Bank aus New York, #Goldman Sachs Bank aus New York.

Die „Federal Reserve Bank“ ist eine privatwirtschaftlich organisierte Institution. Der US Präsident hat lediglich ein Mitspracherecht bei der Wahl des Direktoriums der FED.

Der Spruch „Geld regiert die Welt“ braucht noch eine Gegenfrage „Wer regiert das Geld?“  Wie lautet die Antwort?

Ja! Richtig! Bankenwirtschaft!

Selbstverständlich ist die Bankenrealität sehr komplex und die obige Darstellung vereinfacht. Es sind viele tausend Banken, Versicherungen, Börsen, Beratungsunternehmen und die Politik am Geschehen beteiligt. Allerdings ist es wohl notwendig einen anderen Blickwinkel anzunehmen und zu reflektieren, denn die IST-Situation ist nicht mehr tragbar.

Sonntag, 16 Oktober 2016 07:58

Leben in der Talente-Gemeinschaft - talente.life

geschrieben von

Warum es sich lohnt unsere aktuellen Lebensmechanismen zu hinterfragen und sie in ein lebendiges Miteinander, in eine andere Welt zu wandeln beschreibt Gerhard Weinberger.

Wir alle sind Menschen. Und wir brauchen einander, denn alleine sind wir nicht überlebensfähig. Über diese Tatsache denken wir heute selten nach; wir haben unsere arbeitsteilige Welt bis ins Kleinste so organisiert, dass uns die Verfügbarkeit von diversen Lebensgrundlagen selbstverständlich ist und wir sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.  Wir drehen den Wasserhahn auf, wenn wir Wasser brauchen, wir schalten die Heizung ein, wenn es kalt wird, wir steigen ins Auto oder in die Bahn, wenn wir irgendwo hin müssen. Wir gehen einkaufen, wenn wir Hunger haben oder etwas zum Anziehen brauchen, etc.

Wenn wir heute Produkte und Dienstleistungen beziehen, so „entschulden" wir uns durch die Hingabe von Geld. Das ist größtenteils eine anonyme und unbewusste Handlung. Uns interessiert nicht, wo das Produkt her- oder wie es zustande kommt (meist wären wir sowieso technisch überfordert), welche Menschen unter welchen Umständen, wie, wann, wo ihren Beitrag dazu geleistet haben. Ein paar Geldscheine oder eine Überweisung später sind wir raus aus der Geschichte.

Unser Geld verdienen wir ebenfalls mit irgendwelchen Handgriffen, mit irgendeiner Tätigkeit, die wir in ein System einbringen, bei dem wir oft weder etwas von den Vorläufen noch vom Endprodukt unseres Arbeitsbeitrages wissen. Wenige Berufe lassen ein durchgehendes Verständnis und eine konsequente persönliche Einfluss­nahme auf die Entstehung eines Produktes oder einer Dienstleistung zu. Oft wollen wir das auch gar nicht wissen, denn sonst müssten wir uns vielleicht sogar dafür schämen, woran wir da beteiligt sind...

Unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem ist bewusst so gestaltet, dass kaum einer den direkten Durchblick hat. Niemand weiß so ganz genau, wie das ganze Werkel funktioniert und welche Auswirkungen es auf die beteiligten Menschen, auf die Umwelt, auf unsere Zukunft hat. Wir verdienen unser Geld unter unbefriedigenden oder ausgeblendeten Umständen und entschulden uns damit  für Produkte und Dienstleistungen, deren Sinnhaftigkeit und Entstehungsgeschichte wir erst gar nicht hinterfragen (können).

 

talente life grafik 1Eine andere Welt...

Im Herzen wollen wir eine andere Welt. Wir wollen „sinnvoll" leben und unser einzigartiges Wesen in vertrauenswürdigen Beziehungen einbringen. Unsere Abhängigkeit voneinander sollte keine Last sein, sondern Lust an der Gemeinschaft bedeuten, wo wir in der Vielfalt der Begabungen eine Welt der Fülle erleben können.  Im Vertrauen, in Freiheit, in der Geborgenheit einer Gemeinschaft von gleichwertigen Menschen wollen wir unser eigenes Leben nachhaltig leben - also nicht auf Kosten unseres Nächsten,  unserer Umwelt oder gar zukünftiger Generationen.

Dazu braucht es ebenso arbeitsteilige organisierte Kooperation. Nur im Unterschied zur jetzigen Weltordnung stehen nicht Geldgewinn, Gier und Egoismus im Zentrum, sondern der spirituelle, freie Mensch, der in universeller Gemeinschaft seine Entfaltung, seinen Frieden und seine Erfüllung findet.

Ich nenne diese Art von Leben „talente.life".

Wir haben die Vision und auch Ansätze, eine solche Gemeinschaft von freien, verantwortungsvollen Menschen zu bilden, die ohne jeglichen ideologischen, religiösen, parteipolitischen Dogmatismus auskommt. Sie kann auf Basis der grundlegenden Menschenrechte und der Herzensbeziehung von Mensch zu Mensch entstehen.

Talente.life (die Schreibweise kommt von unserem Usernamen auf Cyclos) kann sich in allen Lebensbereichen entfalten, indem wir anfangen zu verschiedenen Themen Projekte zu entwickeln, die diese Qualität des Miteinander und des verantwortungsvollen Umganges fordern und fördern.

Entscheidend ist dabei die gemeinsame Organisation, sozusagen das „organisierte Tauschen" von Talenten, Waren und Dienstleistungen – als Ergänzung zum derzeitigen individuellen Anbieten und Suchen von Tauschmöglichkeiten.  Wenn wir heute den Wasserhahn aufdrehen, ist eine Vielzahl von Menschen und deren Dienstleistung daran beteiligt, damit wir einfach Wasser zapfen können. Im „talente.life" organisieren wir uns,  um in einem bestimmten Lebensbereich eine Gemeinschaftsleistung für alle oder eine Bedarfsgruppe zur Verfügung zu stellen.talente life grafik 2

Dies sind meine Vorschläge und keine Festlegungen, wie sich ein gemeinsam organisiertes Tauschkreisleben vom einfachen monatlichen Tausch-Treffen weiterentwickeln kann.  In einigen Themenbereichen sind wir schon aktiv und andere warten noch auf ihre talentierten Initiatoren.

Damit möchte ich unseren Mitgliedern eine über das individuelle Tauschen und ein eher als Freizeittätigkeit empfundenes Vereinsleben hinausgehende Perspektive aufzeigen. Diese rückt unsere Komplementärwährung, gelebte Nachbarschaftshilfe und kooperatives Wirtschaften mehr ins Zentrum des Alltagslebens. Denn es reicht nicht, wenn wir nur so tun „als ob“ und alibihalber ein bisschen Alternative spielen, während wir uns sehenden Auges immer mehr einer „alternativlosen" Wirtschafts- und Finanzpolitik ausliefern. Wir brauchen Freiräume für ein talentiertes Gemeinschaftsleben – eben „talente.life"...

Donnerstag, 29 September 2016 21:50

"Ich freu' mich schon auf morgen"

geschrieben von

Erste Pflänzchen einer freien Bildung sprießen auch schon in Österreich. Alljährlich wird am 15. September der Internationale Tage der Bildungsfreiheit begangen, der derzeit nur Appellcharakter hat. Warum es noch ein weiter Weg ist, bis dieser Tag  tatsächlich ein Feiertag für alle bildungshungrigen Menschen ist und es sich dennoch lohnt ihn zu gehen, beschreibt Michael Karjalainen-Dräger.
 
“Das schönste ist für mich, wenn meine Söhne abends vor dem Einschlafen sagen: ‘Ich freu mich schon so auf morgen!’ Dann weiß ich, dass sich all die Mühen gelohnt haben.” Richard Lamprecht ist Mitglied im Familiennetzwerk der Freilerner und damit einer jener Menschen, die ihren Kindern die von diesen gewünschte Bildungsfreiheit ermöglichen. Dafür geht er gemeinsam mit seiner Frau Sigrid auch die dadurch programmierten Konflikte mit Vater Staat ein und stellt sich den dann folgenden Verwaltungsstraf-verfahren wegen Schulpflichtverletzung.
 
Der Tag der Bildungsfreiheit ist für ihn wie für die anderen Eltern von Freilernern, Homeschoolern oder Unschoolern ein Ankerpunkt für die Anforderungen, die deren Kinder an sie stellen. Allen diesen jungen Menschen, wie auch immer sie sich nun bezeichnen, ist es gemeinsam, dass sie außerhalb der Institution Schule lernen, sei es nun im häuslichen Unterricht durch Betreuung Ihrer Eltern oder in selbstorganisierten Lerngemeinschaften. Einige von ihnen - so wie die Söhne von Richard Lamprecht - treten auch nicht zu den in Österreich vorgeschriebenen alljährlichen Externistenprüfungen an. Sie sind Pionierinnen und Pioniere von noch großteils im Verborgenen existierenden Landschaften der freien Bildung.

Auch in Deutschland, wo nicht nur Unterrichtspflicht wie in Österreich, sondern tatsächlich Schulpflicht besteht, gibt es Initiativen für ein Lernen außerhalb von Schule. Der Bundesverband Natürlich Lernen e. V. ist Vorreiter der Institutionaliserung des Internationalen Tages der Bildungsfreiheit, der auf Initiative französischer Homeschooler schon im Jahr 2007 ins Leben gerufen wurde. Seither finden alljährlich regionale und lokale Events statt, die die Bildungsfreiheit propagieren. “Unser Anliegen ist darauf hinzuweisen, wie wichtig die freie Wahl des individuellen Bildungsweges ist und die unterschiedlichen Bildungsalternativen für Kinder und Jugendliche, die es bei uns und in anderen Ländern gibt, bekannt zu machen. Besonders hervorheben wollen wir die Möglichkeiten schulfreier Bildungswege (Home-Education, Homeschooling, Unschooling), welche in vielen Staaten der Welt legal sind”, heißt es auf der Website des Netzwerks Bildungsfreiheit.
 

Der freischaffende Philosoph Bertrand Stern, der sich schon seit mehr als 4 Jahrzenhten mit dem Thema beschäftigt hat dem Begriff “Bildungsfreiheit”, der ihm wegen der schwer eingrenzbaren Bedeutung von “Bildung” missfällt, sein “Frei sich bilden” entgegengesetzt. “Das Sich-Bilden – mit der Betonung auf das Rückbezügliche – ist nicht an Ziele, Zwecke, Formen gebunden; und das an den Anfang gesetzte ‘frei’ beschreibt die Qualität des Sich-Bildens”, betont Stern in diesem Zusammenhang. Der Bildungsfreiheit zum Durchbruch verhelfen werden laut Stern, “zwei sich ergänzende und unabhängige Faktoren: Einerseits wird jemand vehement und überzeugend sich für die eigenen Menschenrechte und daher gegen die Zwangsbeglückung zur Wehr setzen. Andererseits wird das System Schule an den eigenen Unvereinbarkeiten zugrunde gehen: Im- oder Explosion?” Auch einen dritten, nicht unwesentlichen Faktor ortet der Philosoph: “Die Wirtschaft kann mit dem schulisch produzierten Schrott nichts mehr anfangen”, stellt er trocken fest.
 
Für Bertrand Stern ist eine frei-sich-bildende Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit, da eine “demokratische Lebens- und Kulturform, die sich zur Freiheit des Menschen bekennt, gar keine andere Wahl hat, als sich unumwunden hierfür einzusetzen.” Das wäre dann ein radikaler Wandel des Menschenbildes: Statt obrigkeitsorientierten, duckmäuserischen, folgsamen Objekten steht das Frei-Sich-Bilden für das Bekenntnis zum Subjekt. “Wenn wir uns zum Leben, zur Natur, zum Menschen bekennen”, so Stern, “bedeutet und bedingt dies: Risikobereitschaft! Wir wissen nicht, was Leben bringt, doch werden wir von Vertrauen in das Leben, in sich, in das Du, usw. getragen...”
 
Das kann man durchaus auch anders sehen, in einer Welt, in der laut UNESCO-Weltbildungsbericht von 2015 noch fast 60 Millionen Kinder ohne formale Schulbildung sind. Auch in Österreich sind etwa die Kinder- und Jugendanwaltschaften oder auch die BildungssprecherInnen der politischen Parteien skeptisch, dass eine Welt ohne die Institution Schule wirklich kindgerecht ist.
 
Diesen Argumenten kontert Bertrand Stern so: “Wer Kindheit verkauft und junge Menschen nicht als Subjekt sieht, sondern zum Objekt von Erziehung macht, bewirkt fast automatisch deren Zwangsbeglückung durch staatliche Gewalt.” Es wird wohl noch länger dauern, bis die Schulbefürworter begreifen, “wie wenig just die Beschulung die Probleme lösen kann”, sieht Stern noch einen langen Weg zu einer Bildungsfreiheit, die vom Staat lebenslang garantiert und von der öffentlichen Hand finanziert wird.
 
In Österreich jedenfalls wird der Weg für Bildung ohne Schule durch zahlreiche Bewegungen, wie etwa die Initiative für freie Bildungswege, den Colearningspace oder den BildungsRaum, aufbereitet. Derzeit führt aber auch für die So-Bewegten kein Weg an den Externistenprüfungen vorbei, außer man nimmt, so wie Richard Lamprecht in Kauf, dass man alljährlich eine Strafverfügung wegen Schulpflichtverletzung erhält. Auch für ihn und seine Frau stellt sich dann die Frage, warum sie sich den ganzen Behörden-Trouble antun. Ihre Söhne aber haben offenbar die richtige Antwort parat, in dem sie den beiden immer wieder vermitteln, wie glücklich sie sind, nicht in die Schule gehen zu müssen. Sie freuen sich jeden Abend wieder auf den nächsten Tag in Bildungsfreiheit.

(Dieser Beitrag ist eine leicht gekürzte Fassung meiner Veröffentlichung auf Get Bildung! - Der BLOG FÜR BILDUNGsneuigkeiten.)

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