Freitag, 19 Mai 2017 07:26

Geld regiert die Welt - oder?

Richard David Precht im Gespräch mit  Marcel Fratzscher, dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) über Geld, Politik und Wirtschaft und wer eigentlich die Macht hat.

Ein sehenswertes Video!

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Nora Loschan hat das gleichnamige Buch des in Seoul geborenen und aufgewachsenen Ha-Joon Chang rezensiert und seine wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

           

Erstaunlich! Der Autor, der nach seinem in Cambridge, Großbritannien erfolgreich absolvierten Studium, nun am selben Ort Volkswirtschaft und Entwicklung lehrt und forscht, hat das Talent uns das Wesen des Kapitalismus transparent zu machen.

Die 23 Lügen werden in je einem Kapitel vorgestellt und anhand von Beispielen aus der ganzen Welt durchleuchtet. Jedes Kapitel wird mit in unseren Medien oft wiederholten Gemeinplätzen wie "Internet technology hat die Welt revolutioniert" oder "Afrika ist prädestiniert arm zu bleiben" eingeleitet. Chang demontiert diese falsch gewichteten Annahmen anhand von konkreten Beispielen und oft mit einem humorvollen Seitenhieb.

Er meint, dass die Waschmaschine und die vielen anderen nützlichen Maschinen unsere Welt viel stärker als das Internet geprägt haben, weil dadurch die Arbeitswelt radikal geändert wurde. Weiters sagt er, dass es in Afrika in den 60er bis zu den 80er Jahren ein Wirtschaftswachstum gegeben hat, dass leider durch aufgezwungene free-trade-Vereinbarungen des WTO und IWF abgewürgt wurde.

Die größte Lüge sei der Begriff „Freier Markt“. Chang sagt uns, dass es diesen nicht gibt. Denn: Alle Märkte haben Regeln und Gesetze. In den tausend Seiten des CETA-Abkommens sind diese Regeln zu finden. Die Begriffe "freie Märkte" und "liberale Marktwirtschaft" sind Erfindungen der reichen Länder. Sie zwingen arme Länder dazu, ihre Bedingungen zu akzeptieren, damit sie selbst noch mehr profitieren.

Chang zeigt die historische Entwicklung der industrialisierten Länder. Once upon a time war Großbritannien führend auf der Welt. Durch seine Industrie wurde es zur "Werkstätte der Welt". Heute ist wenig von diesen Industrien geblieben. Die Firma Nissan ist zwar in Sunderland zu einem großen Arbeitgeber geworden, aber in Krisenzeiten wird sie ihre Interessen in Japan konzentrieren.

Stahlwerke in Wales sind im Besitz von fremden Investoren, die in Krisenzeiten das Handtuch werfen. Für viele ehemalige Industrieländer war es profitabler billige Waren aus Billiglohnländern wie China zu importieren. Dadurch sind die eigenen Industrien zu Grunde gegangen.

Globalisierung bedeutet weltweiten Handel und beinhaltet auch die Möglichkeit inländische Firmen zu übernehmen. Oft ist das Ergebnis einer derartigen Übernahme durchaus erfolgreich. Meist sind die neuen Eigentümer aber nur an einem raschen Gewinn interessiert und bei der geringsten Krise werden diese Unternehmen zerlegt und verkauft, was oftmals frustrierte und arbeitslose ArbeitnehmerInnen zur Folge hat.

Wir haben in Österreich das Beispiel von Heini Staudinger, der mit der ungewollten Hilfe des FMA (Finanzmarktaufsicht) seine Ideen besser finanzieren konnte. Ein Crowdfunding-Gesetz ist das Ergebnis. Er und seine Firma GEA beweisen, dass man ohne Globalisierung sehr erfolgreich wirtschaften kann.

Ich kann dieses Buch nur loben und empfehlen, weil für mich die ökonomischen Zusammenhänge unseres Globus klarer geworden sind und bestimmte falsche Glaubenssätze entlarvt wurden.

Ha-Joon Chang, 23 Lügen, die sie uns über den Kapitalismus erzählen, Goldmann 2012, (ISBN-10: 3442157285, ISBN-13: 978-3442157280)

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